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01.01. - 31.12.2023#12345

Sexualmedizin

Beschreibung

Die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin vermittelt theoretische und praktische Grundlagen einzel- und paarbezogener sexualmedizinischer Behandlung. Die facharztspezifische Behandlung konzentriert sich nicht nur auf physiologische oder psychische Störungen, sondern berücksichtigt die bei jedem Menschen bestehenden Grundbedürfnisse nach Akzeptanz, Nähe und Vertrauen, die in Beziehungen – und durch die konkrete Körpersprache der Sexualität besonders intensiv in Intimbeziehungen – erfüllbar sind. Sie macht sich dabei neurobiologische und endokrinologische Korrelate von Bindungen zu Nutze, insbesondere deren Stress, Angst und Aggression vermindernde sowie vertrauensbildende Funktion, um Patienten zu ermöglichen, Partnerschaft und Sexualität als gesundheitsfördernde oder –erhaltende Ressource zur Erfüllung der oben genannten Grundbedürfnisse bewusst erfahren und bisherige Beeinträchtigungen vor diesem Hintergrund zuordnen zu können.

Modul I - Grundlagen der Sexualmedizin

Ziel des Moduls I der Zusatz-Weiterbildung ist es, Wissen über HIV und andere STI (u. a. Epidemiologie, Ansteckungswege, Prävention, Therapie, Diagnostik) sowie über sexuelle Gesundheit (u. a. was beinhaltet Sexuelle Gesundheit, Begriffsdefinition Sexualität, Sexuelle Rechte, Sexuelles Verhalten) und Kommunikation über Sexualität (u. a. Arzt-Patientengespräch, Kommunikation mit Jugendlichen, Sprechen über Sexualität) zu stärken und zu vermitteln. Die Inhalte des Moduls werden mittels unterschiedlicher Methoden (Präsentationen, Fallbeispiele, Filme, Übungen) vermittelt. Federführend sind die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beteiligt.

Themen

Teil 1 – Grundlagen der Sexualmedizin
  • Evolutionsbiologische Funktion, Definition und Konzepte von Sexualität
  • Sexuelles Verhalten
  • Sexuelle Identität, geschlechtliche Identität/Orientierung.
  • Somatische, psychische und sozio-kulturelle Grundlagen der menschlichen Sexualität
  • Grundlagen der psychosexuellen und somatosexuellen Entwicklung und deren Verlauf über die Lebensspanne
  • Sexualität und STI bei Jugendlichen
  • Epidemiologie und Resistenzsituation
  • STI-Ansteckungswege
  • Darstellung und Wissen über die gängigsten STI
Teil 2 – Prävention und Gesundheitsförderung
  • Konzepte der Prävention
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • Sexualanamnese
  • Überweisungskompetenz der Behandler/in
Teil 3 – Diagnostik und Therapie
  • Befunderhebung
  • Diagnostik und Therapie
  • Erregerspezifischer Einsatz von Tests
  • Serologie
  • Mikroskopie
  • Therapiekonzepte
Teil 4 – Sexualmedizinisch relevante rechtliche Grundlagen
  • Sexuelle und reproduktive Grundrechte - national
  • Sexuelle und reproduktive Grundrechte - international
  • Sexuelle/Sexualisierte Gewalt
  • Personenstandsrecht und Transsexuellengesetz
Teil 5 - Sexualpsychologische Grundlagen
  • Bedingungsgefüge, Formen, Verläufe, Manifestationen von sexuellem Missbrauch und seine gesundheitlichen Früh- und Spätfolgen
  • Erkennung psycho- und paardynamischer Prozesse von Sexualität und Geschlechtlichkeit einschließlich Konflikte im sexuellen Erleben und Verhalten sowie damit verbundenen Kognitionen und Emotionen
Modul II - Indikationsgebiete der Sexualmedizin, Krankheitsbilder und Störungslehre
 
Teil 1 – Ätiologie, Verlauf und Dynamik, Diagnostik, Klassifikation, Prävention, Beratungskompetenz, Therapie mit differentieller Indikationsstellung und Rehabilitation bei…
(geschlechtlichen und sexuellen Phänomen, in deren Zusammenhang sich Störungsbilder entwickeln können).
  • ...der sexuellen Funktion
    • Erregungsstörungen (u. a. Erektionsstörungen)
    • Orgasmusstörungen (verspätet, ausbleibend, verfrüht)
    • Appetenzstörungen
    • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie, Vaginismus)
  • …der sexuellen Entwicklung
    • Verzögerung der Pubertät
  • ...der sexuellen Präferenz
    • Fetischismus
    • Exhibitionismus
    • Voyeurismus
    • Pädophilie
    • Sadomasochismus
    • Fetischistischer Transvestitismus
  • ...des sexuellen Verhaltens
  • …der sexuellen Reproduktion
  • …Sexualität und Krebserkrankungen
  • …im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz (Geschlechtlichkeit, Geschlechtsdysphorie)
    • Trans
    • Transgender
  • …bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung oder mehrfacher Behinderung
    • in verschiedenen sozialen Lebenswelten/Settings
    • Sexualassistenz
    • Haltung
    • Sexualität in Einrichtungen - Schutz
Teil 2 – Wissen über die psychosexuelle Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen

Teil 3 - Indikationsstellung und prognostische Einschätzung (der o. g. Symptomkomplexe) psychotherapeutischer, organmedizinischer und medikamentöser Behandlungsansätze

Teil 4 - Sexuell übertragbare Erkrankungen: Therapieoptionen sowie Therapiestrategien, Resistenzsituation, gesellschaftliche Bedeutung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten…
  • ...historische Basis (NS-Zeit, Sexarbeit,…)
  • ...Ansteckungswege im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten
  • ...Erregerspezifische Therapieoptionen sowie Therapiestrategien und Resistenzsituation
  • ...gesellschaftliche Bedeutung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen
Modul III - Behandlungsprinzipien und Techniken in der Sexualmedizin
 
Teil 1 – Techniken der sexualmedizinischen Diagnoseerhebung beim Patienten sowie Paar unter Berücksichtigung des  diagnostisch-therapeutischen Zirkels, einschließlich Erstellung einer Sexualanamnese
  • Sprechen über Sexualität, Umgang mit Hemmungen, Scham und Tabus
  • Gendergerechte Kommunikation
  • Kulturspezifische Kommunikation bei Sexualität
  • Erhebung einer Sexualanamnese (welche Besonderheiten bei welchen Erkrankungen)
  • Techniken einzel- oder paarbezogener gesprächsbasierter Interventionen
  • Überblick über Sexualpsychotherapie
  • Umgang mit Psychologischer Testung (ggf. nur in der theoretischen Vermittlung)
  • Interpretation von Labordiagnostik
  • Altersstufengerechte Kommunikation (Jugendliche)
Teil 2 – Techniken der sexualmedizinischen Beratung des Patienten bzw. Paares, insbesondere Beratung zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, zur partnerschaftlichen Beziehungszufriedenheit und zur HIV-/STI-Prävention auch unter Berücksichtigung der verschiedenen sexuellen Praktiken
  • Allgemeine Techniken der Sexualberatung
  • Einzel- oder paarbezogene Beratungstechniken, die auf das sexuelle Erleben und Verhaltenseingehen, indem sie damit verknüpfte Schwierigkeiten sowie Einschränkungen der sexuellen und partnerschaftlichen Beziehungszufriedenheit thematisieren und zu deren Überwindung beitragen. Dabei gilt es, an den Grundbedürfnissen der Patienten (nach Annahme, Vertrauen, Sicherheit, Entwicklungsförderung etc.) anzusetzen und deren (Wieder-)Erfüllung zu ermöglichen.
  • Fachspezifische sexualmedizinische Gesprächsinterventionen bei einer Sexualstörung, auch im Gefolge anderer  Erkrankungen und Störungen bzw. deren Behandlung und/oder im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz
  • Spezifische Techniken bei:
    • STI (Prävention und bei einer Infektion)
    • Impfen etc.
    • Verhütung
    • Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen (Motivation)
    • Umgang mit sexuellem Missbrauch
    • Sexualität und Krebs
    • Umgang mit Stigmatisierung bezüglich Geschlechtlichkeit und Sexualität
    • Beratung beim Outing (in Bezug auf sexuelle Orientierung, sexuelle Präferenz und Geschlechtlichkeit)
    • Beratung im forensischen Kontext
    • Psychische Symptome durch somatische sexualmedizinische Erkrankungen
    • Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei sexuellen Dysfunktionen: Abgrenzung zwischen Störung und Problem (z. B. Schmerzstörung, Libidostörung, erektile Dysfunktion, Vaginismus etc.) 
    • Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei Störungen der reproduktiven Gesundheit: unter Berücksichtigung der Kenntnis über und Reflexion von Fertilität/Fertilitätsprobleme/n: Kenntnis über Insemination und andere Verfahren assistierter Reproduktion wie IVF, ICSI etc., ungewollte/ungeplante Schwangerschaft/Abbruch,  Auswirkung von Schwangerschaft auf Sexualität
    • Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien sexueller Störungen bei Einschränkungen/Behinderungen sowie bei und nach körperlichen und psychischen Erkrankungen inklusive Sexualassistenz und Sexualbegleitung
    • Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen: Algorithmen der Diagnostik, Behandlungsmöglichkeiten und -pfade sowie der Präventionsangebote mit dem Ziel der interdisziplinären Überweisungskompetenz der Behandlerinnen und Behandler; Koordination notwendiger sozialtherapeutischer Maßnahmen
  • Überblick mit Übungen (erotischer Raum, Spiegelübungen, Rollenspiele mit Fällen, systemische Übungen, schwierige Patientinnen und Patienten)
  • Distanzregulierung 
  • Therapiebegleitende Medikamente zur Behandlung von sexuellen Schwierigkeiten (PDE5-Hemmer), Psychotherapie und andere begleitende Therapien (Physio-, Soziotherapie...), Beratung, Aufklärung
  • Paraphilien
  • Sexarbeit
  • Psychische Erkrankungen und Sexualität 
  • Trauma
  • Einführung in die Fallarbeit
  • Persönliche Ethik, Selbstreflektion

Hinweis

Der Kurs ist als Nachweis der theoretischen Kenntnisse für die Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/Aids § 135 Abs. 2 SGB V zur spezialisierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit HIV-Infektion/Aids-Erkrankung (40 Fortbildungspunkte innerhalb von 3 Jahren vor Antragstellung) in Westfalen-Lippe anerkannt.

Teilnehmende, die bereits eine Genehmigung zur Teilnahme an der Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/AIDS nach § 135 Abs. 2 SGBV haben, können mit dem Kurs den Nachweis zur Teilnahme an der Vereinbarung über die HIV-Präexpositions-prophylaxe (PrEP) zur Prävention einer HIV-Infektion gemäß § 20j SGB V erbringen (30 Fortbildungspunkte).


Mindestanforderungenfür die ZWB Sexualmedizin gemäß § 11 MWBO

  • Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung und
    zusätzlich
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung oder Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie oder Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse und
    zusätzlich
  • 120 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Sexualmedizin gemäß (Muster-)Kursbuch der Bundesärztekammer und
    zusätzlich
  • 120 Stunden (bzw. 60 Stunden für Kammerangehörige der ÄKWL) Fallseminare unter Supervision

Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.

Abschluss/Lernerfolgskontrolle

Die Teilnehmende des Moduls "Grundlagen der Sexualmedizin" schließen diese Kurs-Weiterbildung mit einer Lernerfolgskontrolle ab.

Nach erfolgreich bestandener Lernerfolgskontrolle erhalten die Absolvierenden einen Nachweis über die Teilnahme des Moduls I Grundlagen der Sexualmedizin gem. Kurs-Weiterbildung Sexualmedizin und darüber hinaus erhalten Ärztinnen und Ärzte aus Westfalen-Lippe das Zertifikat "Sexuelle Gesundheit und Sexuell übertragbare Infektionen (STI)" der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Kooperationspartner

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) und die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG)

Tags

PaartherapieSexuelle IdentitätPräventionEntwicklungsstörungen
 

Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin - Modul I - Grundlagen der Sexualmedizin [WB 4] bzw. Curriculare Fortbildung "Sexuelle Gesundheit und Sexuell übertragbare Infektionen" [CF 9]

Münster
29.05.2026 - 27.06.2026
Mitglied der Akademie 1.149,00 €
Nichtmitglied der Akademie 1.325,00 €
Arbeitslos/Elternzeit 999,00 €
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) 1.149,00 €
Mitglied der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) 1.099,00 €
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57 Punkte, Kategorie K
 

Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin - Modul II - Indikationsgebiete der Sexualmedizin, Krankheitsbilder und Störungslehre

Münster
13.11.2026 - 12.12.2026
Mitglied der Akademie 1.149,00 €
Nichtmitglied der Akademie 1.325,00 €
Arbeitslos/Elternzeit 999,00 €
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) 1.149,00 €
Mitglied der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) 1.099,00 €
circle anim 2 
47 Punkte, Kategorie K