Sexualmedizin
Beschreibung
Modul I - Grundlagen der Sexualmedizin
Ziel des Moduls I der Zusatz-Weiterbildung ist es, Wissen über HIV und andere STI (u. a. Epidemiologie, Ansteckungswege, Prävention, Therapie, Diagnostik) sowie über sexuelle Gesundheit (u. a. was beinhaltet Sexuelle Gesundheit, Begriffsdefinition Sexualität, Sexuelle Rechte, Sexuelles Verhalten) und Kommunikation über Sexualität (u. a. Arzt-Patientengespräch, Kommunikation mit Jugendlichen, Sprechen über Sexualität) zu stärken und zu vermitteln. Die Inhalte des Moduls werden mittels unterschiedlicher Methoden (Präsentationen, Fallbeispiele, Filme, Übungen) vermittelt. Federführend sind die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beteiligt.
Themen
Teil 1 – Grundlagen der Sexualmedizin
- Evolutionsbiologische Funktion, Definition und Konzepte von Sexualität
- Sexuelles Verhalten
- Sexuelle Identität, geschlechtliche Identität/Orientierung.
- Somatische, psychische und sozio-kulturelle Grundlagen der menschlichen Sexualität
- Grundlagen der psychosexuellen und somatosexuellen Entwicklung und deren Verlauf über die Lebensspanne
- Sexualität und STI bei Jugendlichen
- Epidemiologie und Resistenzsituation
- STI-Ansteckungswege
- Darstellung und Wissen über die gängigsten STI
- Konzepte der Prävention
- Kommunikation und Gesprächsführung
- Sexualanamnese
- Überweisungskompetenz der Behandler/in
- Befunderhebung
- Diagnostik und Therapie
- Erregerspezifischer Einsatz von Tests
- Serologie
- Mikroskopie
- Therapiekonzepte
- Sexuelle und reproduktive Grundrechte - national
- Sexuelle und reproduktive Grundrechte - international
- Sexuelle/Sexualisierte Gewalt
- Personenstandsrecht und Transsexuellengesetz
- Bedingungsgefüge, Formen, Verläufe, Manifestationen von sexuellem Missbrauch und seine gesundheitlichen Früh- und Spätfolgen
- Erkennung psycho- und paardynamischer Prozesse von Sexualität und Geschlechtlichkeit einschließlich Konflikte im sexuellen Erleben und Verhalten sowie damit verbundenen Kognitionen und Emotionen
(geschlechtlichen und sexuellen Phänomen, in deren Zusammenhang sich Störungsbilder entwickeln können).
- ...der sexuellen Funktion
- Erregungsstörungen (u. a. Erektionsstörungen)
- Orgasmusstörungen (verspätet, ausbleibend, verfrüht)
- Appetenzstörungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie, Vaginismus)
- …der sexuellen Entwicklung
- Verzögerung der Pubertät
- ...der sexuellen Präferenz
- Fetischismus
- Exhibitionismus
- Voyeurismus
- Pädophilie
- Sadomasochismus
- Fetischistischer Transvestitismus
- ...des sexuellen Verhaltens
- …der sexuellen Reproduktion
- …Sexualität und Krebserkrankungen
- …im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz (Geschlechtlichkeit, Geschlechtsdysphorie)
- Trans
- Transgender
- …bei Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung oder mehrfacher Behinderung
- in verschiedenen sozialen Lebenswelten/Settings
- Sexualassistenz
- Haltung
- Sexualität in Einrichtungen - Schutz
Teil 3 - Indikationsstellung und prognostische Einschätzung (der o. g. Symptomkomplexe) psychotherapeutischer, organmedizinischer und medikamentöser Behandlungsansätze
Teil 4 - Sexuell übertragbare Erkrankungen: Therapieoptionen sowie Therapiestrategien, Resistenzsituation, gesellschaftliche Bedeutung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten…
- ...historische Basis (NS-Zeit, Sexarbeit,…)
- ...Ansteckungswege im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten
- ...Erregerspezifische Therapieoptionen sowie Therapiestrategien und Resistenzsituation
- ...gesellschaftliche Bedeutung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen
- Sprechen über Sexualität, Umgang mit Hemmungen, Scham und Tabus
- Gendergerechte Kommunikation
- Kulturspezifische Kommunikation bei Sexualität
- Erhebung einer Sexualanamnese (welche Besonderheiten bei welchen Erkrankungen)
- Techniken einzel- oder paarbezogener gesprächsbasierter Interventionen
- Überblick über Sexualpsychotherapie
- Umgang mit Psychologischer Testung (ggf. nur in der theoretischen Vermittlung)
- Interpretation von Labordiagnostik
- Altersstufengerechte Kommunikation (Jugendliche)
- Allgemeine Techniken der Sexualberatung
- Einzel- oder paarbezogene Beratungstechniken, die auf das sexuelle Erleben und Verhaltenseingehen, indem sie damit verknüpfte Schwierigkeiten sowie Einschränkungen der sexuellen und partnerschaftlichen Beziehungszufriedenheit thematisieren und zu deren Überwindung beitragen. Dabei gilt es, an den Grundbedürfnissen der Patienten (nach Annahme, Vertrauen, Sicherheit, Entwicklungsförderung etc.) anzusetzen und deren (Wieder-)Erfüllung zu ermöglichen.
- Fachspezifische sexualmedizinische Gesprächsinterventionen bei einer Sexualstörung, auch im Gefolge anderer Erkrankungen und Störungen bzw. deren Behandlung und/oder im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz
- Spezifische Techniken bei:
- STI (Prävention und bei einer Infektion)
- Impfen etc.
- Verhütung
- Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen (Motivation)
- Umgang mit sexuellem Missbrauch
- Sexualität und Krebs
- Umgang mit Stigmatisierung bezüglich Geschlechtlichkeit und Sexualität
- Beratung beim Outing (in Bezug auf sexuelle Orientierung, sexuelle Präferenz und Geschlechtlichkeit)
- Beratung im forensischen Kontext
- Psychische Symptome durch somatische sexualmedizinische Erkrankungen
- Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei sexuellen Dysfunktionen: Abgrenzung zwischen Störung und Problem (z. B. Schmerzstörung, Libidostörung, erektile Dysfunktion, Vaginismus etc.)
- Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei Störungen der reproduktiven Gesundheit: unter Berücksichtigung der Kenntnis über und Reflexion von Fertilität/Fertilitätsprobleme/n: Kenntnis über Insemination und andere Verfahren assistierter Reproduktion wie IVF, ICSI etc., ungewollte/ungeplante Schwangerschaft/Abbruch, Auswirkung von Schwangerschaft auf Sexualität
- Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien sexueller Störungen bei Einschränkungen/Behinderungen sowie bei und nach körperlichen und psychischen Erkrankungen inklusive Sexualassistenz und Sexualbegleitung
- Beratung zu Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen: Algorithmen der Diagnostik, Behandlungsmöglichkeiten und -pfade sowie der Präventionsangebote mit dem Ziel der interdisziplinären Überweisungskompetenz der Behandlerinnen und Behandler; Koordination notwendiger sozialtherapeutischer Maßnahmen
- Überblick mit Übungen (erotischer Raum, Spiegelübungen, Rollenspiele mit Fällen, systemische Übungen, schwierige Patientinnen und Patienten)
- Distanzregulierung
- Therapiebegleitende Medikamente zur Behandlung von sexuellen Schwierigkeiten (PDE5-Hemmer), Psychotherapie und andere begleitende Therapien (Physio-, Soziotherapie...), Beratung, Aufklärung
- Paraphilien
- Sexarbeit
- Psychische Erkrankungen und Sexualität
- Trauma
- Einführung in die Fallarbeit
- Persönliche Ethik, Selbstreflektion
Hinweis
Der Kurs ist als Nachweis der theoretischen Kenntnisse für die Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/Aids § 135 Abs. 2 SGB V zur spezialisierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit HIV-Infektion/Aids-Erkrankung (40 Fortbildungspunkte innerhalb von 3 Jahren vor Antragstellung) in Westfalen-Lippe anerkannt.
Teilnehmende, die bereits eine Genehmigung zur Teilnahme an der Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/AIDS nach § 135 Abs. 2 SGBV haben, können mit dem Kurs den Nachweis zur Teilnahme an der Vereinbarung über die HIV-Präexpositions-prophylaxe (PrEP) zur Prävention einer HIV-Infektion gemäß § 20j SGB V erbringen (30 Fortbildungspunkte).
Mindestanforderungenfür die ZWB Sexualmedizin gemäß § 11 MWBO
- Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung und
zusätzlich - 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung oder Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie oder Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse und
zusätzlich - 120 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Sexualmedizin gemäß (Muster-)Kursbuch der Bundesärztekammer und
zusätzlich - 120 Stunden (bzw. 60 Stunden für Kammerangehörige der ÄKWL) Fallseminare unter Supervision
Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.
Abschluss/Lernerfolgskontrolle
Nach erfolgreich bestandener Lernerfolgskontrolle erhalten die Absolvierenden einen Nachweis über die Teilnahme des Moduls I Grundlagen der Sexualmedizin gem. Kurs-Weiterbildung Sexualmedizin und darüber hinaus erhalten Ärztinnen und Ärzte aus Westfalen-Lippe das Zertifikat "Sexuelle Gesundheit und Sexuell übertragbare Infektionen (STI)" der Ärztekammer Westfalen-Lippe.